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April 29th, 2009

Gelöscht, alles gelöscht!

Mein Gott, jetzt habe ich soviel geschrieben. Aber das Gute ist ja, dass ich auch mal Korrektur lese und wenn ich dann, so wie heute, feststellen darf, dass die Worte auch von jemanden kommen könnten, der eine Familienpackung Psychopharmaka zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, dann darf ich auch mal löschen, oder?

Ich denke, die Grundsatzentscheidung des gestrigen Abends lautet: Ich lerne Spanisch! Das versteht jetzt keiner, aber das ist in Ordnung. Ihr müsst ja nicht alles wissen. Und wenn ich dann das wirklich durchziehe und vor allem auch den Beweggrund zum Spanischlernen nicht aus den Augen verliere, der da vereinfacht lautet, dass spanisch zu lernen grundsätzlich sinnvoller ist als das, was ich zur Zeit tue bzw. erfahre, dann bin ich glaube ich einen weiteren Schritt in Richtung völliger Befreiung gegangen.

Mache Dich frei von dem, was Du zu verlieren fürchtest, wenn Du es denn liebst! (Meister Joda)

Das klingt alles wesentlich “unwahnsinniger” als der Krempel des gestrigen Abends.

Wer ist denn bitte schön… ?

April 22nd, 2009

Guten Morgen,

Langeweile breitet sich aus. Nachdem ich mich entschlossen habe, erst einmal nicht in die OGS zurückzukehren verspüre ich einen Zuwachs an ungenutzter Zeit. Das ist schlecht und da muss ich wohl was gegen machen. Zuerst einmal werde ich heute mal meinem Basketball zu einem Schuster oder in ein Sportfachgeschäft bringen, denn er verliert immer schnell Luft. Vielleicht kann ja jemand etwas daran ändern. Mein Plan ist es, mindestens zweimal die Woche, ob ich einen Spielpartner bekomme oder nicht, auf dem Outdoor-Feld hier Basketball zu spielen, und das mindestens zwei Stunden. Sagen wir mal dienstags oder donnerstags und zusätzlich samstags oder sonntags. Zusätzlich werde ich an festen Tagen zwei Mal pro Woche Tagebuch schreiben. Egal, ob was besonderes anliegt oder nicht. In meinem Leben gibt es ja eigentlich immer etwas zu berichten. Sagen wir mal dienstags und donnerstags? Einverstanden? Gut… ;-)

Die nette Dame bei der ARGE ist übrigens keine nette Dame. Sie hatte wohl ‘nen guten Tag erwischt, als ich das erste Mal mit ihr sprach. Heute zumindest war sie extrem unfreundlich und nicht gewillt, eine Minute ihrer Arbeitszeit zu opfern, um mir eine Frage zu beantworten. Diese Diskussion darum dauerte übrigens zwei Minuten. Tja so geht das, wenn man anstatt um 10:30 um 10:33 Uhr dort auftaucht. Manchmal muss man mit den Defiziten der Mitmenschen umgehen können, wie Jörg sagt. Ebenso wie bei Y. aus meiner B-Ball-Mannschaft. Der geht auch gar nicht und ich erinnere mich schnell an den Satz “Das Wohl von vielen ist wichtiger als das Wohl von wenigen oder das eines einzelnen” und das trifft hier auf jeden Fall zu, weil es zur Zeit wohl niemanden gibt, der Lust hat, mit ihm weiterhin in einer Mannschaft zu spielen. Warum ertragen das also alle? Das geht ja schon so weit, dass die Leute beim Ausschießen absichtlich daneben werfen, um nicht mit Y. in einem Team spielen zu müssen. Wahnsinn, oder?

Morgen habe ich nach zwei Wochen endlich wieder Therapie, also Einzelgespräch. Da gibt es ja so einiges zu besprechen. Ich persönlich finde, dass ich in den letzten Wochen so ein wenig von meiner Gelassenheit und Ruhe verloren habe. Mich regen bestimmte Dinge wie z.B. die Sache in der BBall-Mannschaft oder die ARGE-Geschichte ziemlich schnell auf. Das ist nicht so gut. Das will ich morgen auf jeden Fall besprechen. 

Das Training heute abend ist mir auch nicht so wichtig. Für heute habe ich mir lediglich vorgenommen, ruhig zu bleiben und nichts zu sagen. Wer ist den bitte schön Herr Blänkner?
Wer ist denn bitte schön Herr Ballout? Wer ist denn bitte schön Y.?

TOP20

April 18th, 2009

Leerer Bildschirm…

Ich bin nicht schlecht drauf. Nein, nein. Das nicht. Aber wisst ihr, was ich heute abend toll fände? Besuch. Besuch wäre schön. An den letzten Wochenendabenden koche ich komischerweise auch immer zu viel, für zwei quasi. Jetzt hier zu sitzen, mit jemanden, den ich mag, auf der Couch, zu zweit, sich was erzählen, lachen, Musik hören, ein Glas Rotwein, na gut, zwei, und sollte es denn dann eine Frau sein, vielleicht später mal kuscheln und küssen. Der Sex wäre nicht so wichtig. Aber neben jemanden aufzuwachen, das wär’ mal wieder was. Nochmal heranschmusen, Kaffee für zwei  machen, Brötchen einkaufen, Rührei machen, ein Spaziergang, ein Eis, Sonnenschein, anlehnen…

Das wär schön…

Sometimes I wander, I spend the lonely nights dreaming of a song, the melody hunts my reverie and I am once again with you, when our love was new and each kiss an inspiration. Schön, nicht wahr?

Heute abend habe ich mir mal eine Top-Twenty-Liste meiner Lieblingssongs, also quasi DIE Charts überlegt. Die Liste ist ziemlich bunt geworden, eigentlich ist alles dabei außer Heavy Metal oder so ‘ne Depri-Musik.

Platz 1
Frédéric Chopin: Grande Valse brilliante
Platz 2
Johann Sebastian Bach - Das wohl temperierte Klavier: Präludie und Fuge in Cis-Dur
Platz 3
The Who - Live at the Royal Albert Hall 2001: Who are you?
Platz 4
Buena Vista Social Club - Buena Vista Social Club: Candela
Platz 5
Frank Sinatra - Sinatra at the Sands: Don’t worry ’bout me
Platz 6
Carlos Santana - Woodstock, live: Soul Sacrifice
Platz 7
Feist - Feist: Titel 1 von diesem Album (den Namen kenne ich nicht)
Platz 8
Queen - Greatest hits: Don’t stop me now
Platz 9
Dean Martin - Live from Lake Tahoe: Rock-a-bye-baby
Platz 10
Michael Bublé - It’s time: Feeling good
Platz 11
Thelonious Monk - Greatest hits: Straight, no chaser
Platz 12
Moulin Rouge - OST: Elephant love medley
Platz 13
The Who - Who’s next?: Baba O’Riley
Platz 14
The Lousiana Gator Boys - OST Blues Brothers 2000: How blue can you get?
Platz 15
Count Basie & his band - Sinatra at the Sands: All of me
Platz 16
Frédéric Chopin: Walzer in As-Dur op.34 No. 1 (valse brilliante)
Platz 17
Sammy Davis jr. - Live in St. Louis: Impressions of “One for my baby”
Platz 18
Aimée Mann - Magnolia OST: Wise up
Platz 19
Die fabelhafte Welt der Amélie - OST: Comptine d’un autre été
Platz 20
Frank und Dean - Live at the Sands: Kiddie album medley

Was mir in diesen Charts eigentlich fehlt, sind Songs von U2, aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Vielleicht die Album-Charts? Top 5:

Buena Vista Social Club - Buena Vista Social Club
U2 - live Zoo TV-Tour
Frank Sinatra - Sinatra at the Sands
The Who - Live at the Royal Albert Hall 2001
Dean Martin - Live from the Sands

Ich wünsche Euch noch ein schönes Wochenende

ARGE oder Arrrghh…?

April 17th, 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

ein kurzer Wochenrückblick. Naja, vielleicht auch ein langer. Ich habe heute etwas ganz tolles bekommen. Ein Geschenk. Einen “Fallmanager” von der ARbeitsGEmeinschaft meiner Stadt. Ich bin also ein Fall. Das ist ja schon mal was. Wie heißen wohl die anderen Mitarbeiter, die auch Hartz-IV-Berechtigte betreuen? Was “managet” denn wohl so einer Manager, was ein Nicht-Fallmanager nicht macht? Offenbar ist er etwas besser für mich, weil die Dame am Empfang sagte, er würde nur 50-100 “Fälle” bearbeiten und nicht 300 bis 500. O.K., schön. “Also bedeutet das für mich, dass ich mehr Zeit beanspruchen kann als andere Hartz-IV-Empfänger?” “Nein, wahrscheinlich nicht, aber ihr Fall ist komplizierter als andere.” “Wie wollen sie das beurteilen?” “Sie sagten doch, sie seien Spieler, sie hätten Schulden und eine psychische Problematik.”

“Und damit haben sie jetzt ein Bild von mir? Ich meine, auf wie viele der anderen Empfänger treffen denn die letzten beiden Faktoren ebenso zu?”

Ja. Die letzten beiden Fragen schwirrten mir durch den Kopf, aber ich habe sie nicht gesagt. Vereinfacht die Tatsache, dass ich meine psychische Problematik erkannt habe und behandeln lasse, nicht den “Fall”? Die meisten wissen es doch gar nicht, und ihre Unwissenheit über den Kern ihrer Probleme läßt sie auch noch durchs Raster fallen und sie werden nicht von einem “Fallmanager” “gemanaget”. Die Vertretung meines Fallmanagers (welch ein Zufall: er hat Urlaub), eine Dame um die 40, schien entzückt über den Zustand, dass ich gut angezogen war, in ganzen Sätzen sprach und genau wusste, was ich wollte. Und als sie mich fragte, was ich so vorhätte und ich ihr von der Umschulung, der Klinik und den Dingen berichtete, die ich schon eingestielt habe, da wirkte sie irgendwie ein wenig erlöst und ich sagte, ich benötigte keinen Fallmanager. Aber sie blieb dabei. Ich brauche einen Fallmanager. Einen Mann, der mich alle zwei Wochen zu sich ins Büro ruft, natürlich nicht ohne mich darauf hinzuweisen, was mir alles widerfährt, wenn ich dem Termin nicht nachkomme (Geldabzug, Hartz-IV-Ausschluss, Gefängnis, Scheiterhaufen, Fegefeuer…). Ich werde ihm dann ab jetzt jede Woche berichten, was ich so tue, er wird dafür Geld bekommen, dass ich ihm erzähle, was ich tue, er wird feststellen, dass er nichts tun muss, er hat einen Teil seiner Arbeitszeit hinter sich, sein Kaffee ist immer noch heiß und ich verliere Lebenszeit. Ein gutes System. Naja, das war jetzt sehr sarkastisch. Natürlich wird sich dieses System nicht aus dem Nichts errichtet haben. Es wird viele viele Menschen gegeben haben, die nichts getan haben und das System dazu angehalten haben, sich zu verschärfen. Aber er sieht doch all die Unterlagen, die das bestätigen, was ich sage und das sollte doch ausreichen, um mich einmal zu sehen und zu entscheiden, dass der nächste drankommen kann. Der, der nicht weiß, was er machen soll, der nicht weiß, wie es weitergehen kann und der schon seit einer Stunde auf diesem Flur sitzt und darüber nachdenkt, wo er arbeiten könnte, wo er das Geld für den nächsten vollen Kühlschrank herbekommt.

Ich bin so froh, wenn es weitergeht. Gestern abend lag ich so im Bett und habe über mein Leben nachgedacht. 30 Jahre, Pessismisten würden sagen, die Hälfte meines Lebens ist rum, Optimisten vielleicht, dass ein Drittel rum ist. Aber das ist doch egal. Ob ich nun 35, 60, 80, 100 werde, ich denke, wenn ich dafür sorgen kann, dass ich in meinem Leben ab dem heutigen Tag dafür einstehe und kämpfe, noch einen weiteren glücklichen Tag in meinem Leben zu haben und mir das gelingt und ich ab diesem Tag wieder dafür kämpfe, einen weiteren glücklichen Tag zu erleben, dann ist es doch egal, wie alt ich werde. Das einzige Problem war nur, dass ich das die letzten Jahrzehnte nicht gemacht habe. Zuerst hatte ich nicht das Bewusstsein dazu und dann hatte ich es, ich war mir aber die unwichtigste Person auf dieser Welt und dann lohnt es sich ja nicht, sich für sich einzustehen, oder? Für eine unwichtige Person nicht, nein. Soll mich doch der Herrgott holen, Hauptsache, ich hatte vor diesem Tag EINEN glücklichen und nicht zu viele davon. Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Tagen, nicht wahr, Wolfgang?

Wisst ihr, in der Klinik habe ich doch häufig die Gefühlsprotokolle ausgefüllt. Die brauche ich schon gar nicht mehr. Blöde Situation, Gehirn anschmeissen: “Hab ich Schuld? Situation? Gedanke? Gefühl? Impuls? Handlung?” Alles voll automatisiert, AO ;-) Manchmal fange ich damit an und bei “Gedanke” fange ich meist schon selbst an zu schmunzeln, denn dann merke ich, worüber ich mir da Gedanken mache und was für ein Blödsinn das alles ist. Gut, das funktioniert nicht immer, aber es hat ja keiner gesagt, es würde leicht werden. Und deshalb halte ich diese Tage auch aus. Ich glaube, es ist nicht wichtig, die Probleme zu lösen, sondern sie zu erkennen. Die meisten sind nämlich gar nicht so wichtig und wenn dann mal eins wichtig wird, kann ich immer noch gegensteuern und handeln. Neulich bekam ich eine Nachricht von einem Mitpatienten, der mir von seinem ersten großen Problem erzählt. Auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle hat ein Spielsalon aufgemacht und er hat Probleme, daran vorbeizugehen, ohne reinzugucken und es reize ihn. Tja, wenn das die Problematik wäre, wie schön wär das? Ich ziehe an einen Ort, an dem es Glücksspiel nicht gibt und dann bin ich spielfrei UND glücklich. Die Sucht ist Symptom! Das Ende einer langen Kette und nicht der Anfang. Wenn ich glücklich bin, bin ich spielfrei und nicht wenn ich spielfrei bin, bin ich glücklich. Die Sucht ist nicht der Teufel, der an jeder Ecke lauert, das Leben ist es. Mein Leben! Wenn ich diesen Typen in Rot mit Pfeilschwänzchen und Dreizack nicht zu H&M schicke und ihm sein neues weißes Gewand kaufe, wer tut es dann? Niemand. Auch nicht Deutschland, in dem Frau Merkel sagt, Spielsalons gibt es nicht mehr, weil sie gehört hat, da gäbe es einen Typen in Nordrhein-Westfalen, dem es deswegen nicht so gut ginge…

Keine Ahnung

April 13th, 2009

Wie geht’s mir? Keine Ahnung…
Ich denke, das reicht jetzt erstmal für die nächsten Wochen. Die Geschichten der letzten sieben Tage reichen wirklich aus. Genug. Schluss.

Wer funktioniert denn überhaupt noch? Das ist lächerlich. Da kann man ja nur selbstverliebt und arrogant werden. Vermieter, Bruder, Mutter, Basketballcoach, privates Umfeld, Knutschbekanntschaft, Großmutter, Schaffner, Ex-Fußballkollege… Das ist kaum auszuhalten. Ich werde nicht alles radikal akzeptieren! Wenn ich das alles akzeptiere, dann kann ich mir auch gleich ‘nen Strick nehmen. Wofür bemüht sich denn ein Mensch? Für Glück im Leben. Was bedeutet aber Glück, wenn ich es nur allein oder zu zweit haben kann? Alleine glücklich ist doch echt ‘n bisschen utopisch. Eine schöne, ausgeglichene, tiefe Beziehung ist fantastisch, aber füllt ja nicht 100% der Lebenszeit aus, also ist ja auch an anderen Stellen mal Zufriedenheit notwendig, oder? Am Ostersonntag ist meine Mutter wieder in alte Verhaltensweisen gerutscht und war nicht in der Lage, ihre alten Gefühle zurückzuhalten, obwohl sie völlig fehl am Platz waren. Ich wusste das schon vor der Situation, in die ich mich zwangsläufig begeben musste. Somit war das unausweichlich. Es reichte aber nicht aus, den Zustand schon vorher zu erahnen, um so vorbereitet “heil” aus der Situation heraus zu kommen. Das war einfach enttäuschend und machte den Rest des Tages zu Schwermut. Dabei war das echt Pillepalle. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass dieser Moment das “Sahnehäubchen” auf dem Schund der voran gegangenen Tage war. Sonntag Abend ging es mir dann echt erstmals richtig scheiße, seit ich aus der Klinik bin. Spieldruck? Nein, aber auf dem besten Weg dahin. Ohne das andere Menschen nicht auch mal ein oder zwei postive Eindrücke hinterlassen, werde ich meine abstinente Zeit nicht so leicht ausdehnen können, obwohl mir klar ist, dass nur ich mich verändere und mein Umfeld bleibt, wie es ist. Mein Gott, habe ich diesen Satz schon auf gedacht oder gesagt…

Ich ziehe jetzt erst einmal in den kommenden Tagen das geplante Programm durch und entledige mich erst einmal von ein oder zwei Personen. Das ist mir grad echt zu viel. Pfändungsschutz, ArGe und Arztbesuch. Das muss reichen. Und oh wehe, irgendeiner von euch kommt in den nächsten Tagen angeschissen und will irgendwas. Das könnt ihr vergessen! Ich darf auch ohne euch radikal akzeptieren!

Frohe Ostern! (Eintrag geschrieben am Ostermontag)

With a little help

April 9th, 2009

What would you do if I sang out a tune?
Would you stand up and walk out with me?
Ist es so einfach?
Do you need anybody?
I need someone to love.
Ja, so ist es.
Would you believe in a love-at-first-sight?
I am certain it happens all the time.
What do you see when you turn off the light?
I don’t see nothing, but it’s your feeling like mine.
Ich fühle mich grad ein wenig wie Amélie, die auf einem Balkon steht und versucht, sich vorzustellen, wie viele Frauen in Paris grad einen Orgasmus haben. Aber es ist nicht ganz die “Orgasmus”-Schiene, eher ein Versuch der Vorstellung, wie viele Menschen heute abend in derselben Stimmung sind wie ich. Amélie hatte damals “15″ gesagt. Ich glaube in einer kleinen Stadt wie meiner teilen meine Emotionen grad weniger Menschen. Wer macht sich schon so viele Gedanken wie ich?

Wenn ich gestern so Champions League schaue und meinen Blick in die Runde schweifen lasse, dann denke ich immer, mit wie wenigen Menschen ich mein Leben teilen könnte. Wie wenige Menschen auch Lust haben, mal Sachen zu ergründen, die sonst eher selten thematisiert werden. Wenn ich mich mit den Jungs aus meiner Mannschaft etwas machen wollte, müsste ich wohl zwangsläufig pokern, rülpsen und flache Sprüche ablassen, um nicht durchs Raster zu fallen. Das Leben ist schön… Klingt jetzt ironisch, ist ironisch. An Abenden wie diesem finde ich es scheiße, wie das alles so läuft und ich bekomme an solchen Abenden das Gefühl, ich könnte das alles gar nicht schaffen, weil an jeder Ecke in meinem Leben die Frustration lauert. Das kann doch nicht alles sein, oder?  Hat jemand von Euch “Dogville” gesehen? Vater und Tochter werfen sich am Ende gegenseitig vor, arrogant zu sein. Der Vater sei arrogant, weil er sich das Recht nimmt, über die Menschen zu richten, die gemordet oder vergewaltigt haben, obwohl er kein Richter ist und dass er plündert als sei es sein von Gott gegebenes Recht, er ist nur ein Gangster. Er tötet die anderen. Die Tochter (brilliant: Nicole Kidman) sei arrogant weil sie in ihrem Leben erkannt hat, dass die wenigsten Menschen ihren moralischen Werten, die sie, wie selbst sagt, barmherzig handeln läßt, und somit jedem vergibt, der unrechtes tut, weil er nicht die Möglichkeit hat, “besser” zu handeln. Der Vater sagt, sie gehe von einem Vorurteil aus, dass niemand einen so hohen moralischen Anspruch an sich stellt wie sie selbst an sich und dass sie damit jeden entlastet. Sie vergäbe anderen mit Entschuldigungen, die sie niemals für sich selber geltend mache. Sie solle barmherzig sein, wenn es angebracht ist und dabei ihren eigenen Ansprüchen immer treu bleiben. Das würde sie den anderen Menschen schulden. Die Strafe, die sie für all ihre Vergehen erhielte, müssen auch die anderen für ihre erhalten. Sie ließe ihnen nicht die Chance, sich zu rechtfertigen, und das mache sie arrogant. Sie denkt darüber nach und stellt für sich selber fest, dass sie, selbst wenn sie in derselben Lebenslage wie die anderen Bewohner Dogvilles gewesen wäre, nie so hätte handeln können, wie es ihr die Bewohner angetan hatten. Sie nutzt die Macht, die ihr ihr Vater gibt, um Dogville auszulöschen. “If there’s any town this world would be better without, this is it.” Na, das war ja jetzt ein Ausflug, was? Aber kann man nicht eventuell diese Situation ein wenig ummünzen und meine Situation betrachten? Ist “Ich bin o.k. - Du bist o.k.” nicht auch arrogant? Meistens, nicht immer, aber meistens, benutze ich diesen Satz in Momenten, in denen sich jemand nicht so verhält, wie es meinen Ansprüchen gerecht wird und nur selten, wenn sich jemand toll verhält. Ich denke da nur mal an den Basketballtypen, von dem ich schrieb. Was würde es also bedeuten, wenn ich meine “Macht” nutzen würde und ihn zur Rede stelle, um ihm die Chance zu lassen, sich zu rechtfertigen. Er sieht seinen Fehler nicht und ich dürfe richten, was in diesem Fall nur bedeuten würde, dass ich mich entferne. Mein Problem in dieser wesentlich feiner justierten moralischen Welt wäre wohl, dass ich selbst ziemlich schnell ziemlich allein bin. Aber Moment! Das bin ich ja jetzt auch schon! Es ist also egal. Ich tue dieses “Ich bin o.k - Du bist o.k.” nur für das Gefühl des anderen und nicht für mein eigenes, damit mein Gegenüber zufriedener ist oder sich sicher fühlt oder sich wohlig weiterhin in seinem eigenen Dreck suhlen kann. Schöne Scheiße!

Ich habe da heute drüber nachgedacht und dann plötzlich diese Verbindung gehabt, weil ich nämlich jemanden diesen Satz zukommen ließ, obwohl ich eigentlich etwas ganz anderes im Sinn hatte. Ich fühlte mich unfair behandelt, weil ich vorwurfsvolle Fragen und Aussagen an Kopf geschmissen bekam und mich im Nachhinein, nachdem ich der Person nicht die lange, zuerst rechtfertigende, emotionsgeladene und zuletzt vorwerfende Mail schickte, sondern das “Ich bin ok - Du bist ok” zukommen ließ, eigentlich nicht befreit fühlte. Für den Moment hatte ich das Gefühl, diese Mail nicht loszuschicken sei auch Teil meines moralischen Anspruchs, weil das nicht meine Ebene war, auf der ich mich mit anderen unterhalte. Aber irgendwie passte mir das trotzdem nicht.  In dem Momenten, in denen ich “nicht optimales” Verhalten bei der anderen Person feststellte, habe ich um unserer Beziehung Willen den Mund gehalten. Aber wenn ich doch schon schwieriges Verhalten feststelle, dass mir nicht gefällt, wofür investiere ich mich dann? Vielleicht weil ich eine andere Hoffnung habe oder evtl hatte, die aber nicht im Handeln der anderen Person erkennbar ist.

Heute nachmittag habe ich mich dann in die Badewanne gelegt und quasi eine “Pro und Kontra-Liste” angefertigt, in der ich zum Schluss zum Ergebnis kam, dass ich das so definitiv nicht will und ich erkannte, dass die Email, die ich lesen musste, ein verstärkter Ausdruck von dem war, wie die Person zuvor handelte und schrieb. Keine Basis, obwohl eigentlich eine gefühlte da war, die ich dann vielleicht falsch eingeschätzt hatte.

Und auch wenn die Person das jetzt auch liest, muss ich das loswerden. Ich bin kein Eiszapfen! Ich kenne keinen 30-jährigen mit mehr Gefühl für seine Mitmenschen, mit mehr Empathie und mit mehr Gefühl für sich selbst und in ihm selbst. Es war einfach eine prikäre Situation, die mich dazu brachte, nicht jede Emotion rauszulassen. Und wenn die Person ein so gutes Gefühl von meiner Person gehabt hätte, hätte sie das wissen müssen.

Neues Koordinatensystem

April 2nd, 2009

So. Ich glaube, es wird Zeit für ein neues Koordinatensystem. Die empirischen Daten, die ich in denen letzten 6 Monaten gesammelt habe, sollten wohl reichen. Anscheinend gibt es nur 3 oder 4 Menschen, die ich kenne und die auch im weitesten Sinne so gut aufgestellt sind wie ich. Komisch, dass ich spielsüchtig geworden bin. Die anderen sollten sich in der Richtung vielleicht mal Gedanken machen. ;-)

So wenig Kontinuität, so wenig Konsequenz, so wenig Tatsachen nach Vorhersagen. Ich weiß nicht, mir gefällt das nicht und es frustriert mich (noch), denn ich habe irgendwie das Gefühl, dass mich die Masse an nicht kompetentem Verhalten und die Tatsache, dass mir diese Menschen mein ”Anderssein”  in der Vergangenheit vorhielten, davon überzeugte, dass ICH mich nicht richtig verhalte. Schon eigenartig, aber ich kann prüfen und prüfen und prüfen, es ist immer dasselbe Ergebnis. Ich bin ok. Alles ist passend. Ich finde es toll, dass ich dessen langsam gewahr werde. Alles scheint oftmals von anderen komplett für den Moment erdacht, und wenn jemand sein Verhalten verändert, weil er sich logisch mit sich selbst und der Situation konfrontiert, dann sollte er auch den Schritt weitergehen, was das nicht logische oder “emotionale” Verhalten (1.) an der Situation verändert, die vor dem “unlogischem” Verhalten Stand der Dinge war und (2.) was ihn dazu geführt hat, die Situation, die vorher da war, zu verlassen. Vielleicht fühlen sich ja jetzt einige Menschen da draußen angesprochen und können mir das erklären, denn ich weiß nicht so recht: Wenn ich meinem Bauchgefühl folge hat das einen Grund, und wenn der Grund nur der ist, dass ich durch das Folgen etwas verändere und somit bestätige, dass ich mit der Ausgangssituation nicht zu 100% zufrieden bin, denn wenn es so wäre, dann hätte ich nicht dieses Bauchgefühl. Gut, ich sollte das vielleicht nicht auf alle Situationen des Lebens münzen, aber in einigen hat diese Theorie bestimmt Platz. Oder was ist denn zum Beispiel mit den Situationen, in denen der Erfolg einer Gruppe an der Infunktionalität (gibt es das Wort?) von wenigen zu scheitern droht. Warum machen sich Menschen die Mühe, ihren Energieeinsatz zu vergrößern, um das Gleichgewicht herzustellen, anstatt sich an die anderen zu wenden und zu sagen: “Ich funktioniere, was ist mit Dir?” Muss die Gruppe in Frage gestellt werden? Oder zumindest ein Teil? Wohl besser, als am Ende festzustellen, dass einige nicht funktionieren und somit evtl. in ihrer Aufstellung unglücklich sind und derjenige, der sich so sehr für das Wohl der Gruppe eingesetzt hat, auf dem Zahnfleisch geht und auch nichts davon hat, weil es nicht geklappt hat und er jetzt auch unglücklich ist.

Ich werde mir nicht mehr erzählen lassen, ich würde Fehler machen und mich und meine Persönlichkeit in Frage stellen. 29 Jahren reichen da wohl vollkommen aus. Nur weil es leichter ist, mich herunter zu ziehen, anstatt sich selber anzustrengen und zu hinterfragen, heißt das noch lange nicht, dass ich das zu jeder Zeit an jedem Ort hinnehmen muss. Nein, ich darf es nicht einmal hinnehmen, wenn ich meine Stabilität halten möchte. Jaja, die nächsten 30 Jahre werden wohl nicht so leicht.

Kompetenz ist eine Frage der Übung?!

März 31st, 2009

 Grüßt Euch!

Ich finde es schön, wenn Therapeuten richtig liegen. Wenn ich an Gütersloh zurückdenke, dann beschleicht mich das Gefühl, dass die Therapeuten nur immer das bestätigten, was ich mir selber erarbeitete oder sie schwiegen sich aus. Ich finde es gut, wenn ich auch mal neue Blickwinkel erhalte und wenn ich überlege, wie oft ich in den letzten Wochen in irgendeiner Angelegenheit ein bestimmtes Gefühl für die Situation hatte, dann beängstigt es mich fast, wie oft ich da richtig lag. Meine Therapeutin hat mal von einer “radikalen Akzeptanz” gesprochen, die ich aufbauen müsse, denn die Situationen im zwischenmenschlichen Bereich, in denen ich unangenehme Gefühle vermittelt bekomme, ließen sich höchstwahrscheinlich in den seltensten Fällen abstellen und es gäbe keine Möglichkeit für mich, diese nicht aufkommen zu lassen, denn es werde die Menschen geben, für die ich interessant bin und die sich mit meiner Einstellung zu Kommunikation und Leben identifizieren könnten und es werde die Menschen geben, für die ich (vor allem in Gruppen) eine Gefahr darstelle, weil sie spüren, dass dort jemand ist, dessen Intellekt und Eloquenz eine Gefahr sein könnten. Es sei wichtig zu wissen, dass ich in den meisten Fällen gar nicht “am Thron des Alphatiers rütteln” wolle, aber trotzdem würden die Gefühle bei diesen Menschen aufkommen.

Tja, genauso ist es passiert. Eigentlich ist es schon vor sieben Monaten passiert. Damals, vor der Klinik, bin ich einem Basketballverein beigetreten und habe fast drei Monate am Training teilgenommen bevor ich für 12 Wochen die Therapie antrat. Jetzt wollte ich natürlich nach der Klinikzeit Nägel mit Köpfen machen und einen Pass beantragen lassen, damit ich auch an den Meisterschaftsspielen teilnehmen kann. Hierfür habe ich unserem “so called” Trainer (eine Mischung aus Organisator, Oberguru und Alphatier) ein Passfoto von mir gegeben, dass ein wenig zu groß war. Mir war er auch schon vor der Klinik einige Male sauer aufgestoßen, weil er so’n Schreihals ist und in 997 von 1000 Fällen Recht hat. Ich würde mich schon wundern, wenn das in den letzten 8 Jahren, die er im Verein ist, nicht auch anderen aufgefallen ist. Ich bekam die Info, dass ein Passantrag maximal vier Wochen dauert und das ich evtl. die letzten drei oder vier Spiele mitmachen kann. Da habe ich mich gefreut, weil ich Bock drauf hatte. Irgendwann nach ca. drei Wochen habe ich ihn dann in einer Kneipe beim Fussball gucken darauf angesprochen und seine OT-Reaktion war: “Wenn Herr O. bereits Dein Riesen-Passfoto zugeschnitten hat, läuft’s wohl.” Alles roger? So, nach ‘ner Woche habe ich ihn dann nochmals angesprochen und er erwiderte, er müsse Hernn O. da wohl nochmal anrufen. Währenddessen wurde ich immer für’s Anschreiben bei Heimspielen “einberufen” und bei dieser Tätigkeit liegt ein chronischer Freiwilligenmangel vor. Im 7-Tages-Rhythmus sprach ich ihn dann noch zwei weitere Male an und entschied dann (eines der o.a. Gefühle), Herrn O. einfach mal anzurufen. “Pass? Foto? Antrag? Ich weiß von nichts.” Tja, das waren dann wohl fünf wissentliche Lügen und da kann ich ja gar nicht drauf. Ich entschied trotzdem, ihn nicht anzusprechen, weil irgendwann würde das sowieso auf den Tisch kommen und dann wollte ich einfach seine Reaktion sehen. Das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her und ich weiß (wieder o.a. Gefühl) das er von Herrn O. bereits Infos hat, denn er ist so ein, Entschuldigung, Arschloch beim Training. Nicht das er ohnehin immer vorlaut und beherrschend in jeder Situation ist und in diesen meistens sogar die falschen Entscheidungen trifft, bekomme ich seit einer Woche immer noch einen Extraportion Frust ab. Er mag mich nicht, in Ordnung. Er hat gelogen, in Ordnung. Aber ich möchte schon gerne weiter ohne Gefahr von Frustration und schlechten Gefühlen zum Training gehen, denn ich liebe Basketball und will mir das nicht kaputtmachen lassen. Aber ist das möglich?

Am Mittwoch war es schon echt schwer, denn ich kam nach Hause, hatte alles über mich ergehen lassen ohne auszurasten (das will ich nicht) und ohne es ruhig anzusprechen (das geht nicht). Im Bett spielten sich dann erstmals seit den ersten drei Wochen in Bad Fredeburg wieder diese ungünstigen Gedanken ab. Ich stelle mir vor, wie ich hätte reagieren können, wie mein Impuls vielleicht gewesen wäre oder das ich einfach voll ausraste. Das sind aber keine Optionen, denn folgendes würde passieren:

Ich schreie ihn auch an, als er wegen so einer Bagatelle ausrastet, weil mir der Ton und die Art und Weise, wie es auch gegenüber anderen immer wieder vorkommt, total auf die Nerven geht. Soziale Kompentenz nicht vorhanden. Was passiert? Wir streiten, ich fühl mich schlecht, weils gegen meine Natur ist und es ist nicht klar, ob das meine Position in der Gruppe nicht schlechter macht.

Ich fange an zu diskutieren (Impuls) und das sind glaube ich solche Bauern-Jungs nicht gewohnt und es würde bei der Persönlichkeitsstruktur von ihm sicherlich nach hinten losgehen, weil seine Niederlage definitiv besiegelt wäre und das würde er spüren und sich nicht gefallen lassen.

Ich sage nichts und lasse alles an mir vorüberziehen (perfekter Zustand), aber dafür bin ich einfach (noch) nicht stabil genug. Ich habe keinen Einfluss darauf, dass ich mir dann Gedanken mache und frustriert bin, sobald ich zu Hause bin. Ich will eigentlich die Sache ansprechen, weil er “der Führer” ist und er so nicht handeln darf und mir das das Leben im Verein langfristig unmöglich macht. Ansprechen geht aber nicht, denn er ist dafür nicht vernünftig aufgestellt. Was tun, sprach Zeus?

Ich sehe ja, wie sich alle anderen (wahrscheinlich seit Jahren) zurückhalten und alles so akzeptieren, aber ich kann das nicht. Vor allem nicht wegen der Passgeschichte. Wenn er gesagt hätte, dass er für den Rest der Saison einen Anschreiber braucht und mich gefragt hätte, ob wir das mit dem Pass vielleicht noch zwei Monate rausschieben könnten, dann hätte ich wahrscheinlich ja gesagt, aber das schien für ihn wohl nicht im Bereich des Möglichen.

Ich bekam den Ratschlag, ich müsse mich bemühen und für meine Position kämpfen, den anderen zeigen, wie ich so drauf bin, um eine Mehrheit für die Sache zu schaffen. Schwachsinn! Wieso muss ich, weil ich die Situation bis in den letzten Winkel erkenne, allen anderen zuliebe “erhaben” handeln, wenn er ebenso eine Person ist (sogar eher als ich), die mit ihrer Position im Verein jede Woche zu funktionieren hat.

Ich stehe also wieder vorm alten Gruppenproblem und der festgeschweißte einsame Wolf kommt wieder einmal zum Vorschein. Klar könnte ich einfach nicht mehr zum Training gehen, aber ich spiele gerne Basketball. Aber wenn ich Basketball spiele, dann besteht die Gefahr, so viel ist seit Mittwoch klar, dass ich jede Woche etwas von meiner Stabilität verliere und wieder irgendwelche ungünstigen Gedanken bekomme. Scheiße!

Frau 0.? Radikale Akzeptanz ist wirklich verdammt schwer! Ich bin noch nicht so weit, leider.

Zwei Optionen:

I.: Ich trete aus dem Basketballverein aus und spiele wieder Streetball, wenn es das Wetter zuläßt.

II.: Ich spreche ihn an und sage: “T.? Ich mag Dich nicht und Du magst mich nicht. Für mich ist das in Ordnung. Aber ich will weiterhin zum Training gehen und Basketball spielen. Ich will an keinen Saisonspielen teilnehmen, sondern nur zum Training kommen und ich möchte, das Du mich von nun an in Ruhe läßt. Ist das möglich? 

Ratlosigkeit…

Bewusstsein

März 27th, 2009

Gestern Abend hatte ich Besuch, und als dieser auf dem Sprung zur Verabschiedung war und mich fragte, was der Rest des Abends noch so bringt, da habe ich nur gesagt, ich würde direkt ins Bett gehen, habe aber selber nicht geahnt, dass ich mir noch so meine Gedanken machen würde, denn ich habe mir überlegt, wie das Leben wohl wäre, wenn ich nicht spielsüchtig wäre und auch keine andere Abhängigkeit hätte. Gut, ich hätte evtl. mehr Haben als Soll, aber in wie weit hat die Sucht und mich mit ihr und meinen damit verbundenen Problemen zu beschäftigen die Chance eröffnet, an einen besseren Punkt zu gelangen als ich vielleicht ohne diese Probleme hätte kommen können? Ich meine damit, dass ich vielleicht mein Studium abgeschlossen hätte, begonnen hätte zu arbeiten, aber die Probleme, die mich schon begleiteten, als ich noch nicht gespielt habe und einfach nur ein Schüler, ein Zivi, ein Student war, hätten auch weiterhin mein Leben beeinflusst, ohne dass ich vielleicht durch schwerwiegende Probleme wie Schulden, Lügen, Verlust der Arbeitsstelle, Beinahe-Verlust der Wohnungen vom Leben “angeschubst” worden wäre, diese Probleme wahrzunehmen, hinzuschauen und zu versuchen, mein Leben zu ändern und die Chance ergreifen zu können, glücklicher und zufriedener zu werden als ich es ohne die Sucht nie hätte werden können. Ich hätte ein Leben gelebt, in dem ich mich hin und wieder mal gefragt hätte, was in meinem Leben fehlt, was mich nicht so wirklich glücklich und zufrieden werden lässt, weil es keine Anhaltspunkte dafür gegeben hätte, einen anderen Weg zu gehen. Zu wissen, welche Baustellen, Rückschläge, Schlaglöcher und Täler das Leben bereithalten kann, bringt mich doch zu einer bewussteren Einstellung zum Leben. Es schärft meinen Blick für die Dinge, auf die es ankommen kann, wenn ich mit 85 auf meiner Veranda sitze und meine Frau mich fragt, ob ich glücklich bin und ob ich all das, was ich getan habe, genauso wieder tun würde. Wenn ich auf diese Weise meine Gedanken schweifen lasse, bin ich gleich wieder bei einer Szene von “Braveheart”, als Mel Gibson zu seinen Kriegern sagt, sie dürfen jetzt nach Hause gehen, aber wenn sie dann in vielen Jahren auf dem Sterbebett lägen, weil sie der Gefahr des Todes in diesem Kampf um die Freiheit ihres Landes aus dem Weg gegangen sind, was sie dann wohl dafür geben würden, noch ein einziges Mal auf diesem Schlachtfeld stehen zu dürfen.

Eines ist klar für mich: Mein Leben wäre einfacher gewesen, aber es wäre nicht  so glücklich gewesen, wie ich jetzt die Chance habe, es werden zu lassen.

 

Schönes Wochenende

Gedanken zum Dienstag…

März 23rd, 2009

Hallo!

So, das war es also mit den 20ern. Schon komisch, dass ab jetzt eine 3 anstatt einer 2 vor meinem Alter steht. Aber das Leben ist wohl so. Um ganz ehrlich zu sein, sollte ich es wohl nur positiv sehen, denn ganz schön waren die letzten 10 ja nun wirklich nicht. Vielleicht ist das ein gutes Omen für die nächsten 10? Zumindest wird es ja mal Zeit, dass es schöner wird. Morgen bekomme ich zum Mittagessen und Kaffee Besuch und habe heute morgen bereits einen Kuchen gebacken. Hauptsache erst genauso gut gelungen wie die Generalprobe. Auf jeden Fall habe ich gemischte Gefühle, was den morgigen Tag angeht. Ein bisschen Freude, ein bisschen Wehmut, denn ich feiere morgen den ersten Jahrestag meines 29.Geburtstags. Spielen ist momentan kein Thema, aber ich muss therapiemäßig noch weiterkommen. Dafür werde ich für diese Woche noch ein Einzelgespräch einfordern. Liebe Grüße!