März 31st, 2009
Grüßt Euch!
Ich finde es schön, wenn Therapeuten richtig liegen. Wenn ich an Gütersloh zurückdenke, dann beschleicht mich das Gefühl, dass die Therapeuten nur immer das bestätigten, was ich mir selber erarbeitete oder sie schwiegen sich aus. Ich finde es gut, wenn ich auch mal neue Blickwinkel erhalte und wenn ich überlege, wie oft ich in den letzten Wochen in irgendeiner Angelegenheit ein bestimmtes Gefühl für die Situation hatte, dann beängstigt es mich fast, wie oft ich da richtig lag. Meine Therapeutin hat mal von einer “radikalen Akzeptanz” gesprochen, die ich aufbauen müsse, denn die Situationen im zwischenmenschlichen Bereich, in denen ich unangenehme Gefühle vermittelt bekomme, ließen sich höchstwahrscheinlich in den seltensten Fällen abstellen und es gäbe keine Möglichkeit für mich, diese nicht aufkommen zu lassen, denn es werde die Menschen geben, für die ich interessant bin und die sich mit meiner Einstellung zu Kommunikation und Leben identifizieren könnten und es werde die Menschen geben, für die ich (vor allem in Gruppen) eine Gefahr darstelle, weil sie spüren, dass dort jemand ist, dessen Intellekt und Eloquenz eine Gefahr sein könnten. Es sei wichtig zu wissen, dass ich in den meisten Fällen gar nicht “am Thron des Alphatiers rütteln” wolle, aber trotzdem würden die Gefühle bei diesen Menschen aufkommen.
Tja, genauso ist es passiert. Eigentlich ist es schon vor sieben Monaten passiert. Damals, vor der Klinik, bin ich einem Basketballverein beigetreten und habe fast drei Monate am Training teilgenommen bevor ich für 12 Wochen die Therapie antrat. Jetzt wollte ich natürlich nach der Klinikzeit Nägel mit Köpfen machen und einen Pass beantragen lassen, damit ich auch an den Meisterschaftsspielen teilnehmen kann. Hierfür habe ich unserem “so called” Trainer (eine Mischung aus Organisator, Oberguru und Alphatier) ein Passfoto von mir gegeben, dass ein wenig zu groß war. Mir war er auch schon vor der Klinik einige Male sauer aufgestoßen, weil er so’n Schreihals ist und in 997 von 1000 Fällen Recht hat. Ich würde mich schon wundern, wenn das in den letzten 8 Jahren, die er im Verein ist, nicht auch anderen aufgefallen ist. Ich bekam die Info, dass ein Passantrag maximal vier Wochen dauert und das ich evtl. die letzten drei oder vier Spiele mitmachen kann. Da habe ich mich gefreut, weil ich Bock drauf hatte. Irgendwann nach ca. drei Wochen habe ich ihn dann in einer Kneipe beim Fussball gucken darauf angesprochen und seine OT-Reaktion war: “Wenn Herr O. bereits Dein Riesen-Passfoto zugeschnitten hat, läuft’s wohl.” Alles roger? So, nach ‘ner Woche habe ich ihn dann nochmals angesprochen und er erwiderte, er müsse Hernn O. da wohl nochmal anrufen. Währenddessen wurde ich immer für’s Anschreiben bei Heimspielen “einberufen” und bei dieser Tätigkeit liegt ein chronischer Freiwilligenmangel vor. Im 7-Tages-Rhythmus sprach ich ihn dann noch zwei weitere Male an und entschied dann (eines der o.a. Gefühle), Herrn O. einfach mal anzurufen. “Pass? Foto? Antrag? Ich weiß von nichts.” Tja, das waren dann wohl fünf wissentliche Lügen und da kann ich ja gar nicht drauf. Ich entschied trotzdem, ihn nicht anzusprechen, weil irgendwann würde das sowieso auf den Tisch kommen und dann wollte ich einfach seine Reaktion sehen. Das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her und ich weiß (wieder o.a. Gefühl) das er von Herrn O. bereits Infos hat, denn er ist so ein, Entschuldigung, Arschloch beim Training. Nicht das er ohnehin immer vorlaut und beherrschend in jeder Situation ist und in diesen meistens sogar die falschen Entscheidungen trifft, bekomme ich seit einer Woche immer noch einen Extraportion Frust ab. Er mag mich nicht, in Ordnung. Er hat gelogen, in Ordnung. Aber ich möchte schon gerne weiter ohne Gefahr von Frustration und schlechten Gefühlen zum Training gehen, denn ich liebe Basketball und will mir das nicht kaputtmachen lassen. Aber ist das möglich?
Am Mittwoch war es schon echt schwer, denn ich kam nach Hause, hatte alles über mich ergehen lassen ohne auszurasten (das will ich nicht) und ohne es ruhig anzusprechen (das geht nicht). Im Bett spielten sich dann erstmals seit den ersten drei Wochen in Bad Fredeburg wieder diese ungünstigen Gedanken ab. Ich stelle mir vor, wie ich hätte reagieren können, wie mein Impuls vielleicht gewesen wäre oder das ich einfach voll ausraste. Das sind aber keine Optionen, denn folgendes würde passieren:
Ich schreie ihn auch an, als er wegen so einer Bagatelle ausrastet, weil mir der Ton und die Art und Weise, wie es auch gegenüber anderen immer wieder vorkommt, total auf die Nerven geht. Soziale Kompentenz nicht vorhanden. Was passiert? Wir streiten, ich fühl mich schlecht, weils gegen meine Natur ist und es ist nicht klar, ob das meine Position in der Gruppe nicht schlechter macht.
Ich fange an zu diskutieren (Impuls) und das sind glaube ich solche Bauern-Jungs nicht gewohnt und es würde bei der Persönlichkeitsstruktur von ihm sicherlich nach hinten losgehen, weil seine Niederlage definitiv besiegelt wäre und das würde er spüren und sich nicht gefallen lassen.
Ich sage nichts und lasse alles an mir vorüberziehen (perfekter Zustand), aber dafür bin ich einfach (noch) nicht stabil genug. Ich habe keinen Einfluss darauf, dass ich mir dann Gedanken mache und frustriert bin, sobald ich zu Hause bin. Ich will eigentlich die Sache ansprechen, weil er “der Führer” ist und er so nicht handeln darf und mir das das Leben im Verein langfristig unmöglich macht. Ansprechen geht aber nicht, denn er ist dafür nicht vernünftig aufgestellt. Was tun, sprach Zeus?
Ich sehe ja, wie sich alle anderen (wahrscheinlich seit Jahren) zurückhalten und alles so akzeptieren, aber ich kann das nicht. Vor allem nicht wegen der Passgeschichte. Wenn er gesagt hätte, dass er für den Rest der Saison einen Anschreiber braucht und mich gefragt hätte, ob wir das mit dem Pass vielleicht noch zwei Monate rausschieben könnten, dann hätte ich wahrscheinlich ja gesagt, aber das schien für ihn wohl nicht im Bereich des Möglichen.
Ich bekam den Ratschlag, ich müsse mich bemühen und für meine Position kämpfen, den anderen zeigen, wie ich so drauf bin, um eine Mehrheit für die Sache zu schaffen. Schwachsinn! Wieso muss ich, weil ich die Situation bis in den letzten Winkel erkenne, allen anderen zuliebe “erhaben” handeln, wenn er ebenso eine Person ist (sogar eher als ich), die mit ihrer Position im Verein jede Woche zu funktionieren hat.
Ich stehe also wieder vorm alten Gruppenproblem und der festgeschweißte einsame Wolf kommt wieder einmal zum Vorschein. Klar könnte ich einfach nicht mehr zum Training gehen, aber ich spiele gerne Basketball. Aber wenn ich Basketball spiele, dann besteht die Gefahr, so viel ist seit Mittwoch klar, dass ich jede Woche etwas von meiner Stabilität verliere und wieder irgendwelche ungünstigen Gedanken bekomme. Scheiße!
Frau 0.? Radikale Akzeptanz ist wirklich verdammt schwer! Ich bin noch nicht so weit, leider.
Zwei Optionen:
I.: Ich trete aus dem Basketballverein aus und spiele wieder Streetball, wenn es das Wetter zuläßt.
II.: Ich spreche ihn an und sage: “T.? Ich mag Dich nicht und Du magst mich nicht. Für mich ist das in Ordnung. Aber ich will weiterhin zum Training gehen und Basketball spielen. Ich will an keinen Saisonspielen teilnehmen, sondern nur zum Training kommen und ich möchte, das Du mich von nun an in Ruhe läßt. Ist das möglich?
Ratlosigkeit…